10.01.2011


Hans-Dieter Cleven, einstiger Spitzenmann der Metro-Gruppe ist Referent der 16. Wallenriedgespräche

Heute sei er so organisiert, dass er die E-Mails seiner Mitarbeiter nur noch mit Ja oder Nein zu beantworten habe. Das sagt der 61-jährige Milliardär und Unternehmer Hans-Dieter Cleven, Gastreferent im Golfclub Wallenried, - sein Thema: «Manager oder Unternehmer?».

Der ehemalige Spitzenmann der Metro-Gruppe, Hans-Dieter Cleven, gilt als einer der angesehensten Persönlichkeiten im europäischen Wirtschaftsraum. Heinz Pfander, Initiant der Wallenriedgespräche, hat ihn beim Golfspiel auf der Riederalp kennen gelernt und ihn für ein Referat in Wallenried verpflichten können.

«Damit Sie mein unternehmerisches Wirken verstehen, muss ich bei meiner Kindheit beginnen», sagt Cleven gleich zu Beginn seines Referates. Um seinen Werdegang zu schildern hat er sich denn auch viel Zeit genommen.
 

Handelsgruppe Metro: Nummer zwei in Europa

Als 21-Jähriger hat sich Cleven zusammen mit Professor Otto Beisheim in Deutschland in der Metro-Gruppe engagiert (seit 1974 Sitz im Kanton Zug) und diese weltweit zum Erfolg gebracht. Metro, einst ein Lebensmittelgrossistenhandel und heute eine weltweit aktive Holding mit 250 000 Angestellten. Die Gruppe gilt als die zweitgrösste Handelsgruppe europaweit und als die drittgrösste weltweit.

In der Folge entpuppte sich Cleven als einer der erfolgreichsten Unternehmer in Europa. In über 50 Firmen und Konzernen wurde er aktiv - als Investor und Unternehmer (Völkl, Deutsches Sportfernsehen, Debitel . . .). Heute ist Cleven Milliardär, Ehrendoktor der Universität Stuttgart (2001) und u. a.Hauptaktionär des Luxushotels «Giardino» in Ascona.
 

Nur mit KV-Lehre und ohne Sprachkenntnisse

Die Wurzeln seines äusserst erfolgreichen Lebens ortet Cleven in seiner Kindheit. 1943 ist er geboren und in einer zehnköpfigen Familie aufgewachsen. Der Vater ist im Krieg gefallen. «Schon früh habe ich die lebenswichtigen Tugenden - Fleiss und Vertrauen in andere - kennen gelernt», bemerkt der 61-Jährige.

Dass er kein Studierter sei und nur die KV-Lehre gemacht habe, keine Zeit gehabt habe um die Sprachen zu lernen - weder Englisch noch Französisch - liess er immer wieder durchblicken. Irgendwann sagte er aber auch, dass er Fremdsprachen so weit beherrsche, um nicht in Abhängigkeit zu geraten. Sein Credo: «In einem Bereich muss man absoluter Experte sein.» Cleven wars im Finanzbereich.

Cleven hat die kaufmännische Lehre in zweieinhalb Jahren (Norm drei Jahre) und die Handelsschule in zwei Jahren hinter sich gebracht. Überall habe er Zeit gewonnen.
 

Mit 18 Jahren Führungsaufgabe

«Mit 16 Jahren war meine Schulzeit beendet.» Berufsbegleitend hat er sich zum Bilanzbuchhalter ausgebildet und mit 18 Jahren im Informatikbereich bereits fünf Mitarbeiter geleitet. Mit 21 Jahren stieg er bei der «Metro» ein und von da gings rasant aufwärts. Dank der harten Jugend, dank des zielstrebigen Charakters oder dank des Umfelds «Nachkriegszeit»? Cleven: «Wegen allem. Doch die Chancen müssen auch wahrgenommen und genutzt werden.»

Der deutsche Unternehmer lebt seit 30 Jahren im Steuerparadies Zug. Mit Boris Becker, der ebenfalls in Zug ansässig ist, hat er kürzlich die Boris-Becker-Stiftung gegründet (eine Million Stiftungskapital) mit dem Ziel: Sport, Bildung, und Wissenschaft zu fördern. «Damit unsere Jugend gesund bleibt, müssen wir sie zum Sport animieren», sagt der schlanke und fit aussehende Unternehmer, der sich im letzten Moment doch noch zu einer persönlichen Aussage verleiten liess. «Ich habe leider keine eigenen Kinder, dafür aber einen Stiefsohn und Enkel.»


Manager oder Unternehmer?

Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus? «Gesunder Menschenverstand und Selbstvertrauen», legt Hans-Dieter Cleven den rund 90 Gästen nahe. «In vielen Entscheidungen habe ich aus dem Bauch heraus gehandelt.» Ebenso wichtig sei aber auch seriöses Verhalten im Finanzbereich und eine tüchtige Portion Menschenkenntnis.

Das Allerwichtigste aber heisse Entscheiden. «Entscheiden Sie schnell und lieber falsch als gar nicht», sagt der Unternehmer, der fürs Managertum und demokratische Strukturen nicht viel übrig hat. Denn: «Manager sind von der Eitelkeit getrieben und entscheiden viel zu langsam.»

 

Freiburger Nachrichten

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