24.04.2019

 

WALLENRIED – Anfang April sprach der 69-jährige Berner Unternehmer zu den Themen «Unternehmertum, Leadership und Verantwortung» und bot den Gästen interessante Einblicke zu seinen Erfahrungen bei Firmensanierungen. Bekanntheit erlangte der Investor unter anderem mit dem Projekt Bernapark in der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil.

Gastgeber  Heinz  Pfander,  Gründer  der  ATEC-Personal  AG  in Düdingen,  konnte  im  Golf-  und Country  Club  wiederum  mit  einer  schillernden  Persönlichkeit aufwarten.  Müller  gilt  als  unbeirrter  Macher,  der  bei  der  Sanierung von Firmen und bei der wirtschaftlichen Ausrichtung seiner  Projekte  die  Mitarbeitenden ins Zentrum seiner Überlegungen stellt. Als langjähriger Banker bei der Credit-Suisse wurde er 2002 Leiter  Firmenkunden  Schweiz. Sein Herzblut gilt den KMU und den  Mitarbeitenden,  für  die  er sich  seit  den  90er-Jahren  auch privat  als  Förderer,  Investor  und Unternehmer engagiert, was ihm den  Beinamen  «Mister  KMU» eingebracht hat. In mehreren Beispielen aus Übernahmen,  wie  der  Verpackungs firma  Mopac  in  Wasen,  der  FL Metalltechnik in Sumiswald, den Projekten  Bernapark  in  Deisswil  und  Schlossberg  Thun,  gab Müller  den  rund  100  geladenen Gästen  aus Wirtschaft  und  Politik seine Erfahrungen dieser Firmenumstrukturierungen weiter.

Kommunikation und Teamwork
«Bei  Umstrukturierungen  ist  es wichtig,  die  Mitarbeitenden  mit ins  Boot  zu  holen  und  sie  zu Trägern  der  neuen  Firmenausrichtung  zu  machen.  Dabei  ist eine  transparente  Kommunikation  der Visionen  und  Ziele  von grosser  Bedeutung»,  so  Müller. Es bedürfe vieler Gespräche mit den  Mitarbeitenden,  um  zu  klären, wie sie die Arbeit erledigen, was anders oder besser gemacht werden  könne  und  welche  Bedürfnisse sie für die Zusammenarbeit im Team und für ihr Befinden am Arbeitsplatz hätten. Denn das Wissen sei in den Köpfen der Mitarbeitenden, so der Unternehmer. Er selber arbeite wahnsinnig gerne in Teams, erklärte Müller, der  in  einem  Teambildungsprozess  bei  der  Credit  Suisse  2006 mit 80 Kaderleuten das 4027 Meter hohe Allalinhorn in den Walliser Alpen bestiegen hat. Mit  der  Übernahme  der  sich  in Nachlassstundung  befindenden Mopac in Wasen 2015 und einer Neuausrichtung am Markt konnte Müller 80 der ursprünglich 170 Mitarbeitenden  weiterbeschäftigen. Ähnliches  geschah  bereits 1993 bei der Übernahme der FL Metalltechnik  in  Sumiswald. Als  in  2010  die  Kartonfabrik Deisswil  nach  über  130  Jahren Knall  auf  Fall  die  Tore  schloss, übernahm Müller die Aktien und stellte die rund 250 Mitarbeitenden bei gleichem Lohn mit anderem  Aufgabengebiet  wieder  an. Es  folgten  verschiedene  Massnahmen  wie  Umschulungen, Coaching,  Weiterbildung  und auch  Stellenvermittlungen  für die Mitarbeitenden. Müller initiierte den Bernapark – ein Quartier  zum  Wohnen,  Arbeiten,  für Freizeit,  Bildung,  Gesundheit, Kultur, Dienstleistungen und ein Zentrum  für  Innovation  und  Digitalisierung, das Betriebe mit finanziellen Mitteln, Räumlichkeiten und Zugang zu einem grossen Netzwerk unterstützt.

Innovation ein Muss
«Die  KMU  sind  das  Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Damit wir  in  der  Schweiz  den  Wohlstand  erhalten  können,  sind  wir gezwungen,  innovativ  zu  sein. Auf der Welt stehen täglich Milliarden  von  Menschen  auf,  die vorankommen  und  etwas  aus ihrem  Leben  machen  wollen», schilderte der Unternehmer bildhaft die Konkurrenzsituation. Er erwähnte  das  «Mobiliar  Forum» im  Schloss  Thun,  das  Innovations-Workshops  anbiete  und an  dessen  Gründung  er  beteiligt war. «Das ‹Mobiliar Forum› gibt den KMU neue Perspektiven und damit  Chancen  auf  langfristigen Erfolg»,  so  der  Unternehmer. Müller  war  2003  Initiant  und anschliessend  langjähriger  Präsident  des  Swiss  Venture  Clubs (SVC), dem heute über 3000 Mitglieder angehören. Ziel des Clubs ist die Förderung der KMU. Alle 2 Jahre richtet der SVC in 7 Wirtschaftsregionen der Schweiz den KMU-Unternehmerpreis aus.

Grenzen als Chancen
Müller  motivierte  die Anwesenden,  neue,  unbekannte  Wege  zu suchen  und  sich  bei  Problemen nicht  bremsen  zu  lassen.  Jede Schwierigkeit  könne  neue  Energie freisetzen und biete Chancen für  das  Unternehmen.  «Übertragen Sie den Mitarbeitenden Verantwortung,  schenken  Sie  ihnen Vertrauen  –  es  kommt  automatisch  zu  Ihnen  zurück.  Und  das Allerschönste:  Niemand  will  sie enttäuschen.  Sie  werden  getragen, weil alles gut läuft. Und, die eine  und  abschliessende  Wahrheit,  wie  man  ein  Unternehmen nachhaltig  erfolgreich  macht, gibt es nicht», erinnerte der Unternehmer die Anwesenden.
 

(Bericht der Könizer Zeitung vom 24.04.2019)

 

Mehr zu den Wallenried-Gesprächen...